https://diemuellerverschwoerung.bandcamp.com/

Da sich ja unser Bandname geändert hat, hat sich also auch die Adresse unserer Bandcamp-Seite geändert. Leider erscheint oben in unseren Links immer noch die alte Adresse, obwohl wir diese schon hundertmal gelöscht und ersetzt haben. Es ist ein Mysterium.

Hier aber der gültige Link: https://diemuellerverschwoerung.bandcamp.com/

 

Die Müller Verschwörung

Liebe Leute,

man muss ja denn doch nochmal explizit drauf hinweisen: Wir heißen jetzt Die Müller Verschwörung, sind aber sonst noch  immer genauso gut.

Grund für den Namenswechsel war die einfache Tatsache, dass wir unsere Besetzung erweitert haben um Rosenmüller (Schlagzeug) und Kremer (Gesang, Trompete, etc.pp.).

Es wurden keine Mitglieder ausgetauscht, sondern wir haben uns schlicht breiter aufgestellt. Wer weiß, kann sein, dass wir im Laufe der Zeit noch mehr Leute aufnehmen. Man sollte hier lediglich darauf achten, dass noch etwas Publikum übrig bleibt.

Müller & die Platemeiercombo und Müller.Meier.Rosenmüller., unser akustischer Ableger, gehen nun in der Müller-Verschwörung auf. Wir sind buchbar in jeglichen Kombinationen, von der Soloshow mit Müller bis zur Vollbedienung mit allen (wobei wir bislang davon abgesehen haben, beide Schlagzeuger gleichzeitig einzusetzen). Patrick Schmitz hat bereits das Logo angepasst, wie immer mit hervorragendenm Sachverstand.verschwoerung_logo-hoch

Fraglich bleibt gegenwärtig, wie wir die Homepage-Situation gestalten werden. Da muss man ja bestimmt eine neue Domain kaufen, da dann die die alten Inhalte draufkopieren, eine Weiterleitung von der alten Seite installieren, später die alte Seite löschen und abmelden  und so weiter. Ich habe keine Ahnung, wie das geht und erst recht nicht, wer sich wann darum kümmern soll (Heyl?). Darum bleibt zunächst alles beim Alten.

Im Übrigen arbeiten wir derzeit mit Hochdruck an den Songs des nächssten Albums. Es reigt heran. Mein Plan sieht vor, im kommenden Jahr das neue Material einstudiert und ein Demo produziert  zu haben. Da es sehr viele Songs sind, werden einige davon es dann nicht aufs Album schaffen und hoffentlich als Demo der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Danach dann das Album als solches. Hier ist noch die Finanzierungsfrage zu klären. Wer gute Ideen hat, melde sich bei uns.

Bis die Tage on the road oder anderswo,

Müller

Müller.Meier.Rosenmüller. …machen alles richtig

So, wir haben´s geschafft. Ein Minialbum unserer akustischen Inkarnation Müller.Meier.Rosenmüller. ist fertig, trägt den schönen Titel “…machen alles richtig” und ist nunmehr öffentlich zugänglich auf unserer Bandcamp-Seite (https://muellerunddieplatemeiercombo.bandcamp.com/album/machen-alles-richtig). Der Download costa genau gar nix, ebenso die CD, die dieser Tage fleißig in Heimarbeit gebrannt und beklebt wird. Dieses Werk wurde in kurzer Zeit (weitgehend) live eingespielt und von Plate in noch kürzerer Zeit fachkundig abgemischt. Geringer Aufwand, kaum Overdubs, Minimalismus eben. Passend dazu gibt´s auch kein Cover, sondern nur einen CD-Aufkleber, gestaltet von Jolanda Berlitz (jolanda@berlitz-mediengestaltung.de).

Die Songs sind zum Teil bereits bekannt (dreimal bereits von MUNDDIEPMC veröffentllicht, einmal seit einiger Zeit in beiden Besetzungen im Liveprogramm), aber natürlich in völlig anderen Versionen. Und dann gibt es noch einen völlig neuen Song von Rosenmüller.

Also scheut euch nicht, uns schamlos auszubeuten und ladet down, was das Zeug hält (wer will, darf aber auch zahlen).

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Auch ein Foto haben wir wieder gemacht, es handelt sich hierbei ebenfalls um Kunst und gehört in unsere Reihe “Generation Analog experimentiert mit Selfiestange”.

Schwarze Psychologie zur dunklen Jahreszeit

Oh, es ist wieder Herbst, wie schön! Nach Frühling und Sommer, vielleicht aber sogar noch vor Sommer, eine der schönsten Jahreszeiten. Einzig der Winter vermag selten zu begeistern. Das Schlimme am Herbst ist, dass danach der Winter kommt. Es steht somit nichts Gutes zu erwarten. Der notorisch grüblerische und pessimistische Autor dieser Zeilen findet das nur mal wieder typisch und quält sich schon lange, bevor es soweit ist, mit düsteren Vorahnungen. Eigentlich ganzjährig, könnte man sagen. Ich fahre auch nicht gern in Urlaub, weil mir immer am ersten Tag schon klar ist, dass ich bald wieder nachhause muss. Je besser mir ein Urlaubsort gefällt, umso schlimmer. Vielleicht ist ja deswegen auch die Nörgelkultur soweit verbreitet – es ist allemal besser, selbst in der leckersten Suppe noch ein Härchen zu finden, als eine hundertprozentige Begeisterung zuzulassen, die unweigerlich zum Absturz in düstere Depression führen wird, wenn der Teller leer ist. Mich überzeugt auch die Mär vom Glück durch positives Denken nach dem Beispiel „das Glas ist halb voll“ nicht. Ja, jetzt ist es noch halbvoll, aber nach dem nächsten Schluck schon nicht mehr! Beruhige ich mich also fünf Sekunden mit dem Gedanken, dass ja noch die Hälfte da ist, kriege ich doch danach erst recht Panik, demnächst auf dem Trockenen zu sitzen. Da sage ich mir doch lieber gleich: So, es ist mal wieder wie immer, in Kürze ist alles vorbei, was will man machen? Egal, könnte eh besser schmecken. Man mag dem entgegenhalten, dass es schöner sei, zwischen großer Freude und tiefer Verzweiflung zu schwanken, als durchgehend mittelmäßig schlecht gelaunt zu bleiben. Aber wer will das entscheiden? Hat man überhaupt eine Wahl bezüglich eigener Wahrnehmung und Empfindung?

Interessanterweise sind es eben jene Glücksphilosophen, die vom halbvollen Glas sprechen, die für unangenehme Situationen das Mantra „auch das geht vorüber“ parat haben. Mir scheint, die drehen sich alles so hin, wie sie es gerade brauchen. Hier sind doch Wissenschaftlichkeit, nüchterne Ratio und daraus induzierte allgemeingültige Modelle der Wirklichkeit gefragt! Als Anhänger der Philosophie der Flüchtigkeit alles Existierenden habe ich jedenfalls den Vorteil, den Winter als bald vorübergehendes Übel akzeptieren zu können, muss dann aber gerechterweise auch in Kauf nehmen, mich schon im Frühling vor dem nächsten Winter zu fürchten. Umgekehrt darf der Anhänger des ewig scheinenden Augenblicks, in dem er voll und ganz aufgeht, sich dem Leid nicht dadurch entziehen, dass er sich mit der Flüchtigkeit desselben beruhigt, sondern muss voll und ganz dem Schmerz erliegen, so sind nun mal die Spielregeln. Sonst ist das doch alles Augenwischerei und inkonsequentes Getue! Kleine Kinder und Tiere machen es ja so. Wenn es keine Vorstellung von Zeit gibt, erscheint eben jeder Moment ewig. Für mich kommt das inzwischen aber nicht mehr infrage, insbesondere da ich mit zunehmendem Alter zu dem Schluss komme, dass die Mehrheit der Momente es eigentlich nicht wert ist, von mir wie eine Ewigkeit empfunden zu werden. Ohnehin ist es ja leider meist so, dass die qualvollen Situationen uns länger erscheinen als sie sind, ganz im Gegensatz zu den Glücksmomenten. Einfaches Beispiel: Ein Zehnminuten-Song kann schnell vorbeigehen, wenn er gut ist, andernfalls aber auch eine unerträgliche Pein bedeuten. Hier sind wir mal wieder beim Thema Zeitwahrnehmung angelangt, über das ich früher schon mal schwadronierte. Da ich nun auch wieder auf dieses Sujet stoße, liegt doch der Schluss nahe, dass viele Dinge, die sich um menschliches Erleben und unterschiedliche Sichtweisen drehen, am Ende in erster Linie Fragen der Zeitwahrnehmung sind. Vielleicht sogar alle! Somit liegt auch der Schlüssel zu Weisheit, Reichtum, Ruhm, Gesundheit körperlich und seelisch, Liebe und Glück in der Zeitwahrnehmung. Wir könnten versuchen, uns in dieser Richtung zu manipulieren, vermutlich ließe sich damit viel erreichen. Es gibt ja auch eine ganze Menge Möglichkeiten dazu, zum Beispiel bewusstseinsverändernde Drogen einwerfen, Meditationsübungen (kommen einem gerade zu Anfang oft unendlich lang vor) oder dauerhaft Musik hören, gute oder schlechte, je nachdem, ob man die gefühlte Zeit gerade verlängern oder verkürzen will. Was, es scheint dir eine absurde Vorstellung zu sein, beim Geschlechtsakt eine Helene-Fischer-Platte aufzulegen, nur damit die angenehme Situation subjektiv länger dauert? Du hast aber auch gar keine Phantasie! Man muss eben manche Dinge einfach mal konsequent bis zu Ende denken, dann kommt man zu solchen bahnbrechenden Schlussfolgerungen. Immerhin kann sicherlich keiner behaupten, mit diesem Vorgehen schon schlechte Erfahrungen gemacht zu haben, oder? Falls doch, lasst es mich wissen, ich wäre bereit, eine wissenschaftliche Analyse der mir dann vorliegenden Ergebnisse vorzunehmen.

Ich krieg Ohrensausen

Neuerdings scheint es in Bezug auf Musik, oder zumindest Gesangsdarbietungen, nur noch ein einziges, dafür aber notwendiges und hinreichendes Qualitätskriterium zu geben: Hat der Hörer eine Gänsehaut bekommen oder nicht? Ich frage mich, wieso ausgerechnet Gänsehaut? Wieso nicht Schluckauf? Nasenbluten? Durchfall? Spontanes Erbrechen? „Du“, könnte man sagen, „das hast du so schön gesungen, ich habe richtig Sodbrennen!“ Hauptsache, überhaupt eine physiologische Reaktion, oder? Bei negativen, aber auch in positiven Zusammenhängen auftretenden, vegetativen Phänomenen fallen mir noch ein Herzrasen und Schweißausbrüche.

Klar, auch ich habe manchmal Gänsehaut bekommen, wenn ich Musik besonders toll fand. Bei Gesangswettbewerben im Fernsehen, wo das neue Qualitätskriterium offenbar geprägt wurde, tritt diese Reaktion aber oft schon bei den allerbanalsten Schnulzen auf, die dann automatisch gut sein müssen, oder jedenfalls besonders gut dargeboten, da sie bei jemandem so etwas auslösen konnten. Da nun heute sicherlich weniger die Kritiker, die früher ja vor allem durch Sachverstand ihre Funktion erarbeitet hatten, sondern irgendwelche Prominenten, die nicht mal unbedingt mit der Materie vertraut sein müssen, die offiziell gültigste Meinung zu einem Gesangsvortrag abgeben müssen, ist es wenig verwunderlich, dass ein x-beliebiges Kriterium bemüht wird, um alles, was es zum Thema Qualität zu sagen gibt, damit zu erschlagen. Dabei fände ich eine Sängerin, die es jedesmal schaffte, dass ich Nasenbluten kriegte, doch mindestens genauso gut. In der Regel wird auch von irgend jemandem etwas dazu geäußert, ob alle Töne richtig waren, oder ob ein falscher dabei war. Das interessiert aber im Grunde niemanden, da die physiologische Reaktion das letzte Wort hat. Vorerst. Das allerletzte Wort haben natürlich immer die Verkaufszahlen. Wer viel verkauft, hat immer Recht, also Qualität abgeliefert. Da macht es dann auch nichts mehr und kann somit nicht in die Waagschale geworfen werden, wenn viele sich spontan erbrechen mussten.

Eine differenzierte Qualitätsbewertung gängiger Popmusik ist aber auch gar nicht so einfach. Einige strukturelle Merkmale gelungener Kompositionen sind beispielsweise nicht mehr üblich. Der Genuss an einem wirklich gut komponierten Musikstück ist den Menschen heute offenbar weniger wichtig als früher, die Leute wissen unter Umständen gar nicht, was sie versäumen, wenn sie lediglich darauf achten, ob sie bei einem Musikstück innerhalb der ersten 30 Sekunden eine Gänsehaut bekommen; aber so etwas in der Art haben die Alten ja auch schon immer gesagt. Die Jungen genießen eben anderes; ich bin mir auch selbst nicht sicher, ob mir mit 13 an meinen Lieblingssongs besonders gut gefiel, dass sie zwei Höhepunkte hatten: einen kleinen kurz nach der Hälfte und einen großen kurz vor Schluss. Dabei ist mittlerweile wissenschaftlich erwiesen, dass gerade dann besonders viele Glückshormone im Gehirn ausgeschüttet werden, logischerweise unabhängig von Musikstil und Inhalten. Diese Produktion körpereigener Rauschmittel kann aber halt auch nur derjenige erleben, der sich Musikstücke ganz anhört, idealerweise mehrmals. Um dem Reinzappenden eine Gänsehaut zu verschaffen, müssen andere Merkmale erfüllt sein, z.B. der Bruch mit einer zuvor aufgebauten harmonischen Erwartung, der nachweisbar zu einer Dopaminausschüttung führt. Eine harmonische Erwartung lässt sich eventuell schon in so kurzer Zeit wie 30 Sekunden aufbauen und brechen, ich glaube aber ehrlich gesagt gar nicht mal unbedingt, dass die Gänsehauthaber im Fernsehen solch komplexe Prozesse in ihren Hirnkästen bemühen, um etwas ganz toll zu finden. Zudem sollen ja auch meist nicht die Kompositionen, sondern der Vortrag bewertet werden. Was möglicherweise hilft, ist ein gewisses Maß an Dummheit des Rezipienten, weil man mit dieser schon auf so einfache Sachverhalte wie „Song wird mit großer emotionaler Beteiligung gesungen“ erregt reagieren könnte, also auch physiologisch fühlbar mit z.B. Gänsehaut oder vermehrtem Speichelfluss (letzteres besonders auch dann, wenn sich bestimmte optische Merkmale des/der Vortragenden hinzugesellen).

Und schon wieder komme ich ins altväterliche Meckern; dabei habe ich eigentlich gar nichts gegen die Hörgewohnheiten anderer Leute. Es gibt ja auch welche, die gar keine Musik hören und stattdessen lieber Stabhochspringen anschauen, soll ich mich etwa darüber ärgern? Nein, liebe Freunde, das wäre absolut sinnlos, aber deswegen muss ich mir ja trotzdem nicht so ein paar Gedankengänge verbieten, oder?

Reise in die Stadt Loleks und Boleks

Vom 11. bis 14. Juli waren wir als Kulturabgesandte der Stadt Wolfsburg in der schönen schlesischen Stadt Bielsko-Biala, die eine der Partnerstädte unserer niedersächsischen Kleinmetropole ist. Und wir kommen ja alle mehr oder weniger aus Wolfsburg, wenngleich auch nur einer von uns noch immer nicht von dort weggekommen ist. Somit konnten wir uns schon als qualifiziert betrachten und wurden auch von städtischen Honoratioren für angemeseen befunden, Wolfsburger Kultur nach Polen zu tragen. Eine große Ehre, versteht sich, und wir waren auch stolz wie Bolle, sogar Meier.

meier stolz

Was wir gar nicht wussten, war aber, dass dort ein regelrechtes Partnerschaftsfestival stattfand, bei dem neben uns auch Gäste aus Rumänien, Serbien, Berlin und Tschechien auftraten (nebst unter Umständen noch weiteren, von denen ich dann gar nichts mitbekommen habe, wer will das schon so genau wissen?). Diese Idee ist nun zum Einen schon mal sowieso großartig, zum Anderen aber noch besser, wenn man die minutiöse Organisation und verschwenderische Gastfreundschaft der örtlichen Verantwortlichen einbezieht. Es fehlte uns an nichts, das kann ich schon mal vorausschicken. Uns ebenfalls unbekannt war bis dahin, dass die in unserer Kindheit so geschätzten Zeichentrickfiguren Lolek und Bolek, die in mir schon vor diversen Jahrzehnten eine gewisse Sympathie für Polen erzeugten, in eben dieser Stadt erfunden wurden. plate mit lolek und bolek

Ich will nun etwas (chrono)logischer fortfahren und einen komplett subjektiven Kurzbericht der Reise abfassen.
Los ging es mit von der Stadt Wolfsburg gestelltem Bulli samt Fahrer um sieben Uhr morgens, was bestialisch ist, aber aufgrund der langen Fahrtstrecke notwendig war. Zum Glück (was man nicht zum letzten Mal dachte) hatten wir als Faktotum und Roadie unseren alten Weggefährten Fritz dabei, dem es gelang, unser Equipement und uns selbst in dem an sich zu kleinen Transporter zu verstauen (außer der Bassdrum, die musste zuhause bleiben). Geradezu übertrieben klischeehaft muteten die ersten Eindrücke von Polen nach der Grenze an: Die Piste holprig und schier blasenzerfetzend für solche Bandmitglieder, die es so langsam aber sicher mal für angeraten gehalten hatten, mit dem Biertrinken anzufangen (schließlich war man ja auf Tour mit sowas wie einer Rockband), die von Fahrer Uli zielstrebig angesteuerte Raststätte ein desolates Stück Einöde, dessen beste Zeiten lange vergangen und auch nicht gerade rosig gewesen sein mochten. Immerhin eignete sich das Fleckchen für das geschulte Auge von Allrounder Fritz als Motiv einiger gelungener Fotos, die es vielleicht mal auf ein Cover schaffen, da der Arbeitstitel des kommenden Albums dazu ziemlich gut passen würde (dazu aber mehr in ein paar Jahren). die insel der glückseligkeit Und ich kaufte mir von den an Ort und Stelle eingetauschten Zloti erstmal ein Bier, um dann enttäuscht festzustellen, dass es sich um ein alkoholfreies handelte, um dann wieder aufzuatmen bei der Feststellung, dass man in Polen mit “alkoholfrei” ein Bier mit wenig Alkohol (1,1 %) meint.

Abends checkten wir im Hotel ein, ein etwa zwei Jahre altes Bauwerk außerhalb der Stadt, das an Modernität und Komfort keine wesentlichen Wünsche offen ließ. Nur eine etwas länger geöffnete Bar hätte nicht geschadet (oder eben gerade). Abends wurde uns dort erstmal ordentlich aufgetischt. Wir lernten unseren örtlichen Betreuer Jacek kennen, der sich fortan um alles kümmern musste, was wir auf dem Herzen hatten (zum Beispiel eine Bassdrum organisieren, was ihm aber nicht so recht gelang. Plate aber zum Glück schon). Als studierter Politikwissenschaftler und nunmehr städtischer Beamter hatte er schon schwierigere Aufgaben gemeistert, denke ich. Etwas förmlich verlief das Bankett, an dem auch die serbischen und rumänischen Kollegen und Kolleginnen teilnahmen, allerdings an anderen Tischen; wir wurden sauber voneinander ferngehalten, keine Ahnung, ob man plötzlich und unvermittelt aufflammende Aggression, Hass oder aber Begierde fürchtete. Jedenfalls wurden wir hierbei auch mit der schlesischen Küche vertraut gemacht, also satt. Überhaupt kann man behaupten, dass sättigende Nahrung in der von uns besuchten Gegend offenbar noch sehr ernst genommen wird. Dass zwei von uns kein Fleisch essen, war zum Glück im Vorfeld schon bekannt gegeben worden, führte aber hier und da dennoch offenbar zu gewissem Kopfzerbrechen und zeigte damit auch, wie wenig vertraut man mit dem Konzept des Etwas-nicht-essen-Wollens in Polen möglicherweise derzeit noch ist.

Nach einer eher ruhelosen Nacht, die auf die schon am Freitag hohen Temperaturen zurückzuführen war, erwartete uns ein noch heißerer Samstag (34 Grad). Polenkenner Heyl merkte hierzu an, dass wir es in dieser Weltregion mit kontinentalem Klima zu tun hätten, was kalte Winter und heiße Sommer bedeute. Nun ja, was soll ich sagen, die Hitze war geradezu erdrückend. Glücklicherweise hatten unsere Betreuer für diesen Vormittag eine erfrischende Sause auf den nahegelegenen Höhenzug vorgesehen. in der seilbahn

Nichtsdestotrotz blühte uns natürlich am Nachmittag noch ein Auftritt in der in jeder Hinsicht überhitzten Altstadt, nach einem Mittagessen in einem dort gelegenen Bistro, das es verstand, sich auf vorteilhafte Weise noch etwas von dem nüchternen Charme der kommunistischen Ära zu erhalten. Der Marktplatz war voller Leben, und man hatte eine riesige Bühne mit allem Pipapo aufgebaut, auf der wir uns austoben sollten. Hervorragende Techniker zauberten uns in Minutenschnelle einen idealen Sound, vor der Bühne saßen auf aufgereihten Holzbänken diverse zum Teil erheblich alkoholisierte und zum Teil außerordentlich betagte Zuschauer, die unserem Beitrag wohlwollend lauschten. Ich persönlich war ja auf dieses Experiment, vor Publikum zu spielen, das unsere Sprache nicht beherrscht, ziemlich gespannt; ist es doch häufig so, dass man behauptet, unsere Musik sei nur bei hundertprozentig akkurater Sprachverständlichkeit wirklich gut, wohingegen ich stets behaupte, dass Musik eben nicht nur Text sei und wir auch musikalisch einiges zu bieten haben. Wollte ich in erster Linie verbale Botschaften senden, würde ich ja nur Essays schreiben, oder halt Kolumnen oder wie auch immer man das nennen will. Songs schreibe ich aber in erster Linie aus einer musikalischen Leidenschaft heraus. Zu einem guten Song goutiere ich meist auch möglichst ansprechende Lyrik, deswegen mache ich nicht nur Instrumentalmusik. Das polnische Publikum jedenfalls bestätigte eher meine These, dass die Platemeiercombo auch ohne Kenntnis textlicher Inhalte zu unterhalten versteht. Entsprechend lockerte uns der erste Auftritt auch auf, weil er uns klar machte, dass wir das hier so bringen konnten.
live am ersten abend
backstage heyl meier fritz

Abends wurde dann gefressen. Für die Vegetarier gab es zu den Pommes und Bratkartoffeln in Ermangelung einer besseren Ideee Kartoffelpuffer. Machte aber nichts, denn es war vorzüglich gekocht und natürlich ausgesprochen nahrhaft. Dazu gab es selbstgebrautes Bier in mehreren Varianten, das man selbst zapfen durfte.
nachtschwüle stadt
Da man uns anschließend sofort wieder ins Hotel karren wollte, wir aber das lebendige Treiben auf dem sommerschwülen Marktplatz noch etwas aufsaugen wollten, fuhren wir mit dem für uns organisierten Bus nicht mit, was Jacek kurzfristig in Panik zu versetzen schien, da er uns offenbar nicht zutraute, mit dem Taxi zum Hotel zurückzufahren. Keine Ahnung, was uns auf Fremde so doof wirken lässt. Die Taxifahrt war übrigens ganz unproblematisch, obwohl wir eigentlich einer zu viel waren. vier mann im taxifond

Am nächsten Morgen war dann eine Schlossbesichtigung geplant, die Meier und Fritz allerdings verschliefen. Der Rest von uns hastete durch das Gebäude den sichtlich uninteressierten Rumänen und Serben hinterher. Anschließend teilte man sich auf; während Plate und ich uns von Jacek bei einem kleinen Statdrundgang über die bewegte Geschichte Bielsko-Bialas aufklären ließen, schloss sich Heyl den jungen Rumänen und Serben an, um Paintball zu spielen. Sichtlich verschämt gestand er uns später auf Nachfrage, dass er das martialische Spiel gewonnen habe, nach dem Motto “der Deutsche hat mal wieder alle abgeballert.” Von diesem Vormittag gibt es keine Fotos, da als Fotograf ja der noch komatöse Fritz fungierte.

Am Nachmittag war dann wieder Konzert angesagt, und wir hatten einige gute Vorsätze: weniger langsame Lieder spielen, absoluten Enthusiasmus ausstrahlen, grinsen wie die rumänsichen und serbischen Volkstanzgruppen. Es gelang. Das Publikum reagierte mit Bravo-Rufen, und wir hatten wieder einmal etwas dazugelernt, das es nunmehr gilt, nicht gleich wieder zu vergessen.
live am zweiten abend

meier action

shake it heyl

sing bloß ordentlich platedie gesamtsituation

Nach getaner Arbeit wurde dann gemeinsam gefeiert, diesmal mit etwas offiziellerem Anstrich: auch der Bürgermeister von Bielsko sowie die Wolfsburger Offiziellen-Delegation, die mit dem Flugzeug angereist war und in einem gediegeneren Hotel logierte, nahm teil. Die Wirte fuhren mal wieder tierisch auf, es wurden bei abgedunkelter Saalbeleuchtung riesige Schweinebraten, in denen Feuerwerk abgefackelt wurde, präsentiert. Dazu gab es Lammbraten. Vegetarier bekamen Fisch (echte Vegetarier allerdings, wie Meier einer ist, essen natürlich auch solchen nicht. Aber wie soll ich sagen – die Beilagen waren allemal nahrhaft genug.). Einige der Rumänen fiedelten dann noch ordentlich was, wozu ein spaßiger Tanzreigen begann. Es begann tatsächlich, Partystimmung aufzukommen. Aber natürlich hieß es dann vollkommen unvermittelt, dass nun die Busse führen. Wir fragten uns: Wohin mit der gelösten Stimmung, mit dem Wissen um das bestandene Abenteuer, der bierseligen Laune? Schließlich hatte man uns kurz zuvor darüber informiert, dass in den Bieren jeweils auch ein Wodka gewesen sei, so dass unser Vorsatz, heute nur ein paar Bierchen zu trinken, ohnehin aufs Eulenspiegelhafteste ad Absurdum geführt worden war. Vor der Eingangstreppe des Hotels hockten wir nun und konnten nicht ins Bett. Für diesen Fall hatten wir keine Vorsorge getroffen. Anders die Berliner Swingexperten unter der Führung des 84-jährigen Horst “Papa” Hentschel, die solche Situationen auf der Basis jahrzehntelanger Erfahrung zu antizipieren wussten und eine Kiste Bier bereit hielten. Sie gaben uns netterweise davon was ab, so dass wir noch ein bisschen feiern konnten und mir die Hoteltreppensituation eigentlich als die Schönste des ganzen Trips in Erinnerung geblieben ist. letzter abend vor hotel

letzter abend vor hotel2

Je nun, der Montag führte uns dann nur noch müde, aber bereichert und dauerkartenspielend zurück in die deutsche Realität. Wenn wir dürfen, werden wir diese Reise gern noch einmal unternehmen.

abschied von papa hentschel

meier und sein berliner amtskollege

Castafiore – das neue Album

Die CDs sind heute angekommen! Nun warten wir noch auf die Vinylversion, aber ihr könnt natürlich ab sofort auch erstmal CDs haben. Bestellungen über nesselhag@gmx.de, oder in jedem xbeliebigen Plattenladen.

 

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Friedhelm Nesselhag sagt zunächst freundlicherweise nur folgendes über dieses Werk:

“Auf ihrem fünften und bisher besten Album verfolgen die Musiker ihre Reise durchs Universum ihres Independent-Jazz-Pops konsequent weiter. Zwölf neue Songs aus der Feder von Bandleader Müller bestechen mit lockeren Grooves, die häufig auf lateinamerikanischen Grundmustern basieren, gekonnt komponierten Harmonien und melodieseligen Hooks. Hochgradig eingängig und doch einzigartig, mal humorvoll und mal wehmütig, erzählen sie von den kleinen und großen Schwierigkeiten eines Exemplars der Spezies Mensch im 21. Jahrhundert.”

Eine ausführliche Rezension behalte er sich jedoch vor, falls jemand bereit sein sollte, diese angemessn zu vergüten (sind wir nicht).

Urlaubsnotizen

Warum wird eigentlich der Hörgenuss vertieft, wenn man sich an einem Strand befindet, man in allen Richtungen bis zum Horizont blicken kann, der Himmel entsprechend weit erscheint und man per Kopfhörer Musik hört, und sei es auch nur mit einem billigen mp3-Player? Ich befinde mich derzeit zum wiederholten Male an so einem Ort und habe in den letzten Tagen festgestellt, dass Werke von so unterschiedlichen Künstlern wie Billy Idol, David J, Dennis Wilson, Gravenhurst, Robin Guthrie mit Mark Gardener, Kaltmiete, Ludovico Einaudi, Drug Cabin, Murder At The Registry, Max Eider, Lana Del Rey, Baxter Dury, Jan Hammer und Müller & die Platemeiercombo ungeahnte Ekstasen hervorrufen können, die noch weit darüber hinausreichen, was man ohnehin schon bei ihnen empfand, wenn man sie in dieses Ambiente verlegt. Versteht man Musik besser, wenn Kopf und Herz offen und frei sind? Zweifellos. Und sind Kopf und Herz offen und frei, wenn man in einer offenen und freien Umgebung ist? Möglicherweise.

Und hier kommen wir zu einem Zirkelschluss, der die ganze Sache interessant macht: Um nämlich das Gefühl der Offenheit und Freiheit, das sich durch den Anblick der Landschaft aufdrängt, dingfest zu machen, zu manifestieren und erinnerbar werden zu lassen, höre ich passende Musik. Oder das, was ich vorher für eventuell passend befinde. Dann stelle ich fest, dass weit mehr Musik passend ist, als ich dachte, und höre noch ganz andere Sachen. Die Eindrücke, die die Umgebung vermittelt, bekommen den Stempel mal von sonnigem Rock und mal von schwermütiger Songwriterkunst aufgedrückt. Landschaft und Musik erhöhen sich gleichsam gegenseitig, erstere wird zu mehr als Sand und Wasser, letztere zu mehr als Tonfolgen und Rhythmus. Und alles passiert im Kopf!

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Ich stelle fest, dass Baxter Dury doch ein größeres Genie ist, als ich bisher angenommen habe.

Natürlich funktioniert dies in jedwedem Ambiente, insbesondere sind auch Geisteszustände und Stimmungslagen sowie allgemeine Lebensumstände entscheidend, die von der Musik vermittelten Gefühle zu kanalisieren und mit persönlichen Bedeutungen zu versehen, das ist ja hinlänglich bekannt. Faszinierend finde ich aber vor allem die subjektiv wahrgenommene Verbesserung des Gehörten unter den momentanen Bedingungen. Alle oben genannten Künstler wurden von mir in den letzten Tagen im Geiste schon als Genies bezeichnet (sogar ich selbst). Ich werde mir das merken. Denn wenn ich z.B. das nächste Mal auf einer nervigen Autofahrt zwischen zwei stressigen Stationen unveröffentlichte Outtakes von Billy Idol nur ganz gut finde, kann ich mich daran erinnern, zu was selbst diese Songs im richtigen Rahmen in der Lage sind. Wahrscheinlich gibt es sogar irgendeinen mir bislang unbekannt gebliebenen Rahmen, in dem ich Lieder von Roger Whittaker mögen würde. Ich muss danach aber nicht forschen, war ich doch immer ganz zufrieden damit, alles, was der Mann abgesondert hat, entsetzlich zu finden (obwohl unser letztes Album bei Spotify als Schlager eingestuft wird).

Man könnte jetzt natürlich dafür plädieren, dass jeder, dem man eine bestimmte Musik (z.B. die eigene) näher bringen möchte, doch einfach mal nach den richtigen Umständen suchen möge, unter denen er sie dann schon genial finden wird, beispielsweise erstmal an die Küste fahren (bei manchen Musikrichtungen muss man schon auch dieselben Drogen konsumieren wie die Künstler, um überhaupt die Chance für einen Zugang zu haben). Ich halte dies jedoch für verfehlt, da der kritische Blick durch einlullende Atmo ernstlich gefährdet werden kann – wie gesagt befürchte ich, dass man jedweden Mist unter irgendwelchen Bedingungen gut fände. Oder anders gesagt: Wenn jemand unsere Songs beim Schuften auf einer stinkenden Müllhalde hören und trotzdem gut finden würde, wäre dieses Lob mir besonders viel wert. Es ist dennoch empfehlenswert, Musik, die man sowieso schon irgendwie mag, mal an einen besonders reizvollen Ort, der Kopf und Herz öffnet, mitzunehmen, und dann wieder ganz neu zu erleben. Für mich jedenfalls gehört das zu den Erfahrungen, die ich im Leben besonders schätze, weswegen ich immer wieder hohe Summen dafür einsetze, sie machen zu können.2015-05-05_11-39-02_875

Unser  neues Album kommt hier besonders gut. Also erst hierher fahren, Probehören und dann Kaufentscheidung fällen.

Zweierlei Information

Neuigkeiten aus dem Hauptquartier: Bauchpfannen Aufnahmen ist nunmehr ein Label mit Vertriebsanschluss, falls das jemanden interessiert. Das bedeutet für den durchschnittlichen Konsumenten unserer Musik zunächst mal nur folgendes:

1. Da ich tatkräftige Unterstützung bei der Herstellung des Albums bekomme, wird es schneller auf den Markt kommen als zuletzt befürchtet. Derzeitiger Stand der Dinge ist der, dass am 1. Juni veröffentlicht wird. Wenn wir dieses Datum nicht einhalten, gibt’s Ärger.

2. Das Album wird überall kauf- bzw. downloadbar sein, wo es nur irgendwelche Alben zu kaufen oder downloaden gibt. (Kaufen meint hier natürlich auch bestellen, denn es kann nun wirklich niemand ernsthaft erwarten, dass jeder Plattenladen das Album ständig vorrätig hat.)

Für die etwas tiefer Interessierten:

3. Die Musikindustrie ist die am arscheste von allen.

Neuigkeiten aus dem Hirnkasten des Bandleaders: Wenn man für Malerarbeiten in einem vier Quadratmeter großen quadratischen Raum 3 l Farbe benötigt, reicht bei einem quadratischen Raum mit doppelt so langen Wänden die doppelte Menge Farbe, es ist nicht etwa die vierfache Menge nötig. Dies verwunderte mich von gestern bis heute kurz, da wir es doch hier mit Quadratfunktionen zu tun haben, oder nicht? Bei genauerer Überlegung ist der Kasus natürlich völlig klar und somit unter Umständen nur ein Fall von altersbedingt nachlassender geistiger Spannkraft.

Solches sollte nicht verwundern, handelt es sich doch um einen völlig normalen Vorgang, wenn die Spannkraft nicht nur der Haare, sondern auch des Geistes mit der Zeit etwas nachlässt. Ein Gummiband, das man auf Zug hält, wird im Laufe der Jahre ja auch labbrig. Und haben wir uns nicht alle viel zu lange schon permanent auf Zug gehalten? Immer unter Spannung stehend, lechzen wir nach dem nächsten Kick, flüchten vor unseren Ängst2015-01-18_13-21-04_98en und kämpfen um Befriedigung unserer Grundbedürfnisse. Zunächst satt werden, dann eine Höhle finden, dort kopulieren und in Sicherheit schlafen. Was so einfach klingt, ist in Wirklichkeit irre kompliziert: Wir müssen eine Vielzahl an Vorbedingungen erfüllen, um auch nur daran denken zu können, die Befriedigung dieser simplen Bedürfnisse zu sichern. Da geht es beispielsweise darum, von anderen Individuen (wenn möglich innerhalb der eigenen Spezies) anerkannt, wenn nicht gar gemocht zu werden, sich in Gruppen einzusortieren, damit man Unterstützung erhalten kann, sich einen Geschmack anzueignen, damit man das Beste aus seinem Typ machen kann (sonst keine Kopulation!), reden zu lernen, nett sein zu können, wofür wiederum man sich selbst wenigstens ansatzweise okay finden sollte, den Körper in Form zu halten (sonst kein Erfolg bei der Nahrungssuche und keine Chance, sich in der Gruppe gegen die Arschlöcher, die immer dabei sind, behaupten zu können!) und dann auch noch in der Lage zu sein, soweit entspannt zu bleiben, dass Schlaf ermöglicht wird.

Im Laufe der Generationen haben die Menschen es zudem geschafft, ihre Existenz auf ein derartiges Komplexitätsniveau anzuheben, dass beispielsweise die Einsortierung in Gruppen und Herausbildung eines guten Geschmacks zu Herausforderungen geworden sind, die die weisesten der Weisen unter unseren Vorvätern Anno 50.000 v. Chr. schier in den Wahnsinn getrieben hätten. Um den Fortbestand der Art zu sichern, muss der moderne Mensch zu Geistesleistungen fähig sein, die noch vor 200 Jahren zu einem Auskommen als Universalgelehrter gereicht hätten. Wen wundert es da, wenn viele derjenigen, die sich überhaupt noch um solche wichtigen Dinge wie Fortpflanzung bemühen, neben Stählung ihres Körpers und Aneignung kulturüblicher Vorlieben und Redeweisen per TV- und Internetkonsum in ihre ohne Zweifel großartigen Schädel kaum noch was hineinbekommen? Mich nicht.

Ebenso wenig erstaunt zeige ich mich hier und heute über den Verlust eines zunehmend relevanten Anteils meines Haupthaares sowie einiger mathematischer Einsichten, die früher gehabt zu haben ich behaupte. Zum Glück wächst proportional zum Verlust der fluiden Intelligenz die kristalline (zu deutsch in etwa: ich kann schlechter denken, weiß aber mehr). Auf diese Weise bleibt man halbwegs konkurrenzfähig, wenn man in der Lage ist, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Ich sollte heute nicht mehr versuchen, theoretische Physik zu studieren, und erst recht nicht, als Stabhochspringer meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Berufe ich mich dagegen auf die Dinge, die ich nur aufgrund langjähriger Erfahrung so gut kann, wie ich sie eben kann, werde ich auch mit den talentiertesten Novizen auf die ein oder andere Art mithalten können.

Ich muss allerdings gestehen, dass ich über diesen Überlegungen völlig vergessen habe, mich der Sättigung meines Körpers zu widmen, was ich alsbald nachholen werde, weswegen ich hier schließe.