Von Müßiggängern und anderen Taugenichtsen

Hier handelt es sich um den aktuellen Tonträger der Müller & die Platemeiercombo. Es ist eine außergewöhnlich gute Scheibe, die euch nichts anderes als umhauen wird. Nun also die ausgesprochen gut gelungenen Texte:

Süßes Nichtstun

Süßes Nichtstun – wart auf mich
ich komme gelaufen und suche dich
ich mach mich krumm, ich lauf all diese Meilen
nur um mit dir mein Leben zu teilen

Die anderen, die ich seh
plagt wie mich manchmal Fernweh
ein leiser Schmerz, ein zarter Stich
süßes Nichtstun, bitte wart auf mich

Große Pause – komm zu mir
wo immer du herkommst, ich warte hier
vertreib mir die Zeit sehnsuchtsvoll
mit Träumereien und Songs in Moll
Mit Arbeit und mit Geldgier
Große Pause, bitte komm zu mir

Zwischenteil

Süßes Nichtstun – wart auf mich
ich bin beschäftigt, ich kann grad nicht
ich glaube meinen eignen Lügen
Muss jetzt meinen Acker pflügen
dennoch denke ich an dich
süßes Nichtstun, bitte wart auf mich

Der Privatier

Man nannte ihn ´nen Tagedieb
Das war ihm nicht so richtig lieb
Auch Nassauer wurd er genannt
Das schien ihm reichlich uncharmant
In guter Lebensart war er Experte
Ein Fachmann für die wahren Werte

Ref.: Er war ein Privatier
Nicht nur ein Müßiggänger
Privatier
Nicht nur Hartz-4-Empfänger

Man sagte ihm, er tauge nichts
Und denke nie an seine Pflicht
ein Faulpelz, der nichts kann, sei er
das fand er ziemlich unfair
er konnte nämlich spitzenmäßig jeden Tag genießen
auch von übler Nachrede ließ er sich nicht verdrießen

Ref.

Zwischenteil

2 x Ref.

Die Ameisenstraße

Eine Ameisenstraße verläuft quer durch mein Zimmer
Jegliche Schikane meinerseits übersteht dies Volk immer
Meter für Meter geballte Effektivität
unerschöpfliche Produktivität

Ref.: das einzige Gift
um diese Plage zu schlagen
wär das Geschenk des Bewusstseins
damit dann Zweifel sie zernagen

Kein Wunsch nach Selbstverwirklichung und Individualität
hält sie auf in ihrem Treiben und in der Staatsloyalität
Sie fürchten keinen Schmerz, bedauern nichts und trauern nicht
nie hinterfragen sie skeptisch ihre Pflicht

Ref.

Das Streben nach Glück und die Vermeidung von Leid

In Peters Leben lief es schon von Anfang an nicht rund
Seine Mutter war ´ne Schlampe und sein Vater ein krummer Hund
In der Schule verstand Peter nur Bahnhof
Und die anderen Kinder fanden ihn doof
Da war kein Glück drin

Mit 13 klaute er manchmal Schnaps an der Tanke
Damit schleimte er sich ein bei einem Mädchen namens Anke
Mit Schlagen, Saufen, Klauen erwarb er sich Respekt
Bei Typen wie ihm mit einem ähnlichen Defekt
Da war auch Stolz drin

Jetzt ist er schon fast 40, eine Arbeit fand er nie
Dafür wohnt er bei ´ner Alten mit ´ner Tochter namens Mandy
Diese wird bald 15, und das findet Peter gut
Denn damit ist sie für die Typen, die er Freunde nennt, alt genug
Da ist doch Geld drin

Sein Job als Lebewesen ist jederzeit
Das Streben nach Glück und die Vermeidung von Leid

Bei Ludwig war das anders, seine Eltern hatten Geld
Zeit natürlich nicht, so geht es eben zu in der Welt
Erzogen und gebildet in Elite-Internaten
Begann er schnell, beruflich durchzustarten
Und das ist gut so

Jetzt steht er an der Spitze derer, die für ihn verrecken
Er sieht sich gern als Wolf, dabei ist er eine Zecke
Seine dritte Frau heißt Vera, und sie dient ihm nur als Zierde
Mit Pillen tötet sie jede gefühlsduselige Begierde
Und das ist immer so

Vereinfacht gesagt ist Ludwigs Tätigkeit
Das Streben nach Glück und die Vermeidung von Leid

Holger ist politisch korrekt, er jobbt als Fahrradkurier
Achtet drauf, dass er nicht aneckt, trinkt nie zu viel Bier
Sein letztes Geld verschenkt er, das ist gut für sein Seelenheil
Dann wird ihm mal, so denkt er, das Himmelreich zuteil

Seine Freundin heißt Annette, und zu ihr ist er stets nett
Seit einiger Zeit lässt sie ihn trotzdem nicht ins Bett
Sie sagt, er wäre langweilig und selbstgerecht dazu
Gerade er, der er so nett ist, das lässt ihm keine Ruh
Denn das ist unfair

Darum ist er wütend, und in seiner Fantasie
Ist er die gerechte Spitze einer Monarchie
All die üblen Schweine, die sein Leben so erschweren,
Schickte er dann in die Hölle, nach der sie sich scheinbar so verzehren
Denn das wär wirklich fair

Auch Holgers Job ist ohne Weitschweifigkeit
Das Streben nach Glück und die Vermeidung von Leid

Unser aller Job, jetzt wisst ihr Bescheid
Das Streben nach Glück und die Vermeidung von Leid
Du und ich und sogar der, der sagt,
Zu so was wär er nicht bereit
Das Streben nach Glück und die Vermeidung von Leid

Nichtsnutz

Du hast zwei linke Hände
machst Fehler ohne Ende
Abends wird gesoffen
morgens muss man hoffen
dass du überhaupt erscheinst

Dabei war man so hilfsbereit
Und gab dir eine Arbeit
Und spricht man dann ganz offen
muss man ständig hoffen
dass du dann nicht auch noch weinst

Ref.: du bist das schwächste Glied der Kette
bist der Sand im Getriebe
bist ein Nichtsnutz und musst noch dankbar sein
für deinen miesen Job

Gestern noch gefeiert
Heute früh gereihert
Gleich nach dem Aufstehen
Jetzt heißt´s zur Arbeit gehen
besser, als ein Bettler sein

du bist träge und talentfrei
liebst nur Schnaps und Feierei
lernen willst du nie was
hast aufs Denken schon ´nen Hass
drum musst du unser Sklave sein

Ref.

Hör auf zu pennen!
hör auf zu flennen!
Der Job ist Scheiße – ja, das wissen wir
und darum passt er auch so gut zu dir
nur ein Versager ist dazu bereit
der keine Arbeit findet weit und breit

Ref. 2 x

Viva Selbstbetrug!

Für alles, was du tust und lässt als sicher einen guten Grund
bestimmt sogar `nen besseren als den wahren
rationalisiere deine Faulheit, denn das ist gesund
du musst dich keinem weniger als dir selbst offenbaren

Selbstreflexion pisst sich selber ans Bein
Introspektion macht dich dir selbst nur zum Feind

Ref.: Die Welt ist toll, denn du bist so klug
das Leben rollt, Viva Selbstbetrug!
Du kriegst von dir nie genug
die Tassen hoch, Viva Selbstbetrug!

Die Umstände sind immer schuld an jedem Missgeschick
wär dieses nicht und jenes anders, wärst du längst Millionär
du machst alles richtig, das sieht man auf den ersten Blick
ein zweiter lohnt das hinsehen nicht, der macht dir nur das Herz schwer

Kritik erfährst du sowieso zur Genüge
Erzähl dir selbst lieber ne höfliche Lüge

Ref.

Zwischenteil

Solo

Zwischenteil

Ref.

Die Menschen funktionieren nicht

Ref.: Die Menschen funktionieren nicht,
darum hab ich sie gern
Obwohl man sie dafür eigentlich hassen sollte
Die Menschen funktionieren nicht
Von der Schale zum Kern
Ich leide manchmal mit, selbst wenn ich´s lassen wollte

Was wir alle versuchen zu machen
Stets überzeugt, es endlich auch zu schaffen
Das ist eigentlich ganz schön zum lachen
Denn unterm Strich machen wir uns nur zum Affen

Wir können leider meist nicht reparieren
Was wir zerstörten, meist aus Versehen
Wir können uns ja nicht mal selbst kontrollieren
Geschweige denn einander verstehn

Ref.

In jedem Kopf schlummert ein Meisterwerk
Und jedes Leben ist voll Potential
Doch leider läuft unterwegs meist was verkehrt
Und die Folgen sind fast immer fatal

Zwischen Vorstellung und Wirklichkeit
Ist die Kluft tatsächlich himmelweit
Wir kommen und wir gehen unbelehrt
Warum nur find ich das so liebenswert?

Dies ist für die Trottel
Die sich selbst im Wege stehn
Dies ist für die Verwirrten
Die die Welt nicht mehr verstehn
Dies ist für die Fehlplatzierten
Für die wenig Respektierten
Dies ist für die Lächerlichen
Dies ist an und für sich, wenn
Du so willst, für dich

Sie liebt den Winter

Sie liebt den Winter, denn dann weiß sie wenigstens
warum sie traurig ist wie ein altes Gespenst
das immer heult:
die Menschen sind böse, und die Welt ist ein Jammertal
es kann nicht sein, dass ich gut drauf bin, angemessen ist nur Qual

Sie zieht den Regen allemal der Sonne vor
denn dann passt die Welt zu der Stimme in ihrem Ohr
die immer sagt:
die Menschen sind böse, und die Welt ist ein Jammertal
es kann nicht sein, dass ich gut drauf bin, angemessen ist nur Qual

Sie liebt den Winter, und der Winter liebt sie

Im Sommer grinsen Humanoiden
auf Knopfdruck von dem einen zum andern Ohr
und zwischen diesen ganzen Androiden
kommt sie sich doch immer irgendwie verloren vor

In ihren jungen Adern fließt uraltes Blut
Sie liebt den Schmerz, denn irgendwie tut der ihr gut
Sie liebt den Winter, den Herbst noch gerade so
Sie liebt die Kälte, und die Dunkelheit macht sie beinahe froh
Sie liebt den Winter, und der Winter liebt sie (3x)

Morgen

In deinen Augen seh ich Fragen
Die an dir nagen
Ich glaub, dir schlägt das auf den Magen
Kannst du´s ertragen?

Dein Schicksal scheint dir schwer zu tragen
Du, ich muss dir etwas sagen:
Was du auf morgen kannst vertagen
Braucht dich heute nicht zu plagen

Mach doch erstmal das, was Spaß macht
Der Rest erledigt sich meist über Nacht
Und wenn du dir dann in dein Fäustchen lachst
Weil du dich nicht umsonst verausgabt hast

Dann wirst du nochmal an mich denken
Und an den Rat den ich dir schenke
Was du auf morgen kannst vertagen
Braucht dich heute nicht zu plagen

Hast du noch immer diese Fragen
Die an dir nagen?
Schlägt dir das noch auf den Magen?
Kannst du´s jetzt besser ertragen?

Dein Schicksal ist nicht schwer zu tragen
Du kannst es gerne weitersagen
Was du auf morgen kannst vertagen
Braucht dich heute nicht zu plagen

Identität ersetzt Persönlichkeit

Der Arzt mit grauen Schläfen
Der erfolgsverwöhnte Manager
Die vorlaute Göre
Der picklige Teenager
Die Zicke, das Luder, das Flittchen
Der Herumtreiber
Die selbstbewusste Schöne
Der weise Aussteiger

Identität ersetzt Persönlichkeit

Die aktive Karrierefrau
der inspirierte Künstler
der seriöse Verkäufer
die liebende Mutter
der Partylöwe
die Nachbarin und der Nachbar
der gute Kumpel
die Genießerin in der Bar

Identität ersetzt Persönlichkeit

Das Buch ist aus

Das Buch ist aus
ich bin noch da
ich bin zu Haus
ebenda, wo ich war
was ist passiert?
Alles dort, nichts hier

es wurd gelacht, gelitten
ich habe mitgefühlt
es wurd geliebt, gestritten
es hat mich aufgewühlt
Fast spürte ich
die Schmerzen körperlich

Das Buch ist aus
ich glaub es kaum
Jetzt bin ich raus
aus diesem Traum
das letzte Wort
klingt nach, gleich ist es fort

ich schau an mir herunter
Weiß wieder, wer ich bin
Bin müd´, wann werd ich munter?
und wo geh ich dann hin?
in den Alltag rein
und in das Müller-sein

Wie ein Tier

Irgendwer macht immer
Ärger, oder schlimmer
die liebe lange Nacht
irgendwelchen Krach
zudem steht viel zu viel
zu viel auf dem Spiel
Alles ist so wichtig
nichts falsch und nichts so richtig richtig

Dabei bist du so müde
so schrecklich, furchtbar müde
das macht dir Schmerzen im Gehirn
und wird den Herzrhythmus störn

Such dir einfach ´ne Ecke
schnapp dir vielleicht `ne decke
Ja, mein Freund, ich rate dir
leg dich hin und schlafe wie ein Tier
hör einfach auf zu denken
den Kopf dir zu verrenken
das hat doch keinen Sinn
nimm es einfach hin
die Welt ist, wie sie ist
egal, wie schlau du bist

Alles ist egal
schlaf doch einfach mal
Scheiß doch auf die Spiele
du hattest schon so viele
du kannst es einfach lassen
du wirst schon nichts verpassen
Hab keine Angst davor
leg dich ruhig aufs Ohr
wenn dich nichts mehr interessiert
leg dich hin und schlafe wie ein Tier